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Vortrag

Lokale Wärmebehandlung von FG-Drähten zur Realisierung von Plagiatsschutzsystemen

Mittwoch (22.05.2019)
12:10 - 12:30 Uhr

Die wirtschaftliche Bedeutung und der Schaden von Produktfälschungen sind längst in der Industrie und der Gesellschaft bekannt. Produktplagiate schädigen dabei nicht nur die finanzielle Situation von Unternehmen, sondern auch deren Image. Fälschungen können dabei von Originalbauteilen oft nur schwer oder gar nicht unterschieden werden, so dass die Identifizierung nur mithilfe von Kennzeichnungsmethoden möglich ist.

Die aktuellen technischen Sicherungsmittel zur Erkennung von Plagiaten basieren oft auf optischen Markierungen (Strichcodes, Farbpigmente oder Mikro-Fräsungen) und den damit verbundenen Ausleseverfahren. Auch RFID-basierte Erkennungsverfahren kommen vermehrt als Plagiatsschutzsysteme zum Einsatz. Sowohl optische als auch elektronische Sicherungssystem haben den entscheidenden Nachteil, dass sie zugänglich und damit grundsätzlich kopierbar sind. Zudem ist der Einsatz von RFID-basierten Codierelementen häufig unwirtschaftlich oder technisch nicht möglich, da beispielsweise die Temperaturen in Maschinen oder Maschinenteilen zu hoch sind.

Der vorliegende Beitrag fokussiert im Gegensatz dazu einen neuartigen Ansatz der Werkstoffcodierung. Thermische Formgedächtnislegierungen (FGL) werden hierbei durch eine lokal begrenzte Wärmebehandlung programmiert. Die thermische Programmierung beeinflusst nicht nur die Mikrostruktur, sondern auch das mechanische Materialverhalten sowie die elektrische Widerstandscharakteristik. Das Hauptaugenmerk der Forschungsarbeit liegt auf der Entwicklung einer Wärmebehandlungsmethode, die unterschiedliche Glühtemperaturen in kleinen benachbarten Bereichen eines FG-Drahtes in einem Prozess ermöglicht. Die Wärme wird in dem entwickelten Verfahren durch eine direkte elektrische Bestromung (Joulesche Wärme) generiert. Um die gewünschten Temperaturunterschiede im Rahmen der Wärmebehandlung lokal einzustellen, werden die einzelnen Drahtbereiche durch gezielte Luftströmungen gekühlt. Das Verfahren wird verwendet, um die elektrische Widerstandskennlinie des FG-Drahtes während der Phasenumwandlung als gestufte Kurve auszubilden. Die Kombination der Höhe und der Länge jeder Stufe stellen dabei die Codierung dar. In der Widerstandskennlinie lässt sich somit auf einfachem Wege dauerhaft die Seriennummer eines Bauteils verbergen. Der als Codierungselement verwendete FG-Draht kann dabei nur die Plagiatsschutzfunktion oder zusätzlich auch die Aufgabe eines Aktors oder Sensors übernehmen.

 

Sprecher/Referent:
Dr.-Ing. Sven Langbein
Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoff e.V. (FGW)
Weitere Autoren/Referenten:
  • Moritz Langhoff
    Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoff e.V. (FGW)